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Die Ausbildung zum Verkehrspiloten

Ausbildung // Condor-Mitarbeiter // Verhalten im Flugzeug

Condor Redaktion / Hinter den Kulissen / 31. August 2017

Was für viele ein Traum ist, wurde für uns, den Teilnehmern des ersten Kurses des Condor abInitio Programms vor 3 Jahren Wirklichkeit: Der Weg in ein Airliner Cockpit.

In diesem Beitrag möchte ich euch gerne einen kurzen Überblick über unsere Ausbildung an der Flugschule in Essen geben. Mein Name ist Niels Hobbiejanßen und ich bin inzwischen seit fast einem Jahr First Officer bei der Condor auf der Boeing 757 und 767.

Erstmal Theorie

Angefangen hat alles mit der Bewerbung und einem zweistufigen Auswahlsystem, in dem zu einem die grundlegenden Fähigkeiten eines Bewerbers geprüft werden und danach geschaut wird, ob dieser auch als Mensch zum Unternehmen passt.

Endlich an der Flugschule angekommen, konnten wir es gar nicht abwarten los zu fliegen. Doch zunächst stand erst einmal Theorie auf dem Programm: Die Fächer Technik, Meteorologie, Aerodynamik, Luftrecht und Navigation (u.v.m.) sollten uns auf die ersten Flugstunden in unserer einmotorigen Aquila A211 in Condor Optik vorbereiten. Und nicht zu vergessen: Funken! In Trockenübungen in kleinen Gruppen flogen wir gedanklich schon mit unserem Flieger durch den Klassenraum und erlernten so die richtige Kommunikation mit dem Fluglotsen am Boden oder anderen Flugzeugen in der Luft.


Der unvergessliche erste Solo Flug

Ein paar Monate später und den theoretischen Teil des PPL, der Privatpilotenlizenz, schon in der Tasche, durften wir dann das erste Mal unseren Fliegeroverall anziehen und den Motor der Aquila starten. Der Luftraum über dem nördlichen Ruhrgebiet bot uns das passende Trainingsareal, um die anfängliche „Reizüberflutung“ im Cockpit, von gleichzeitigem Prüfen der Abarbeiten  Checklisten, in-der-Luft-Halten des Flugzeugs, Beobachten der Instrumente und der Umgebung sowie Kommunikation über Funk, in koordinierte Arbeitsabläufe zu bringen. Dabei unterstützte uns aber natürlich auch immer noch ein Fluglehrer zur Sicherheit.

Anschließend ging es darum, in sogenannten Platzrunden vor allem den Landeanflug samt sicherem Aufsetzen des Flugzeugs zu erlernen. Weiterhin stand das richtige Verhalten bei Unregelmäßigkeiten, wie Startabbrüchen oder simulierten Motorausfällen auf dem Programm. Und nach ca. 2 Wochen war es soweit: Unser erster Solo Flug stand bevor. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich nach dem ersten Start nach rechts rüber schaute und nur einen leeren Platz gesehen habe, da wo sonst immer mein Fluglehrer saß. Das war ein tolles Gefühl und ich glaube das Highlight eines jeden Flugschülers während seiner Ausbildung! Stunde für Stunde flogen wir jetzt mit oder ohne Ausbilder immer näher an die praktische PPL Prüfung heran. Nachdem wir dann unsere erste Fluglizenz in den Händen hielten, durften wir auch in der Freizeit Angehörige und Freunde in die Luft mitnehmen.


Die Prüfung beim Luftfahrtbundesamt

Nach dieser spannenden Flugphase hieß es für uns erneut die Schulbank drücken, denn nun stand die große Theoriephase vor uns. Abschließen sollten wir diese mit der Prüfung beim Luftfahrtbundesamt in Braunschweig und dies bedeutete für jeden Flugschüler eine arbeitsintensive Zeit. Die ungefähr sechsmonatige Vorbereitungsphase setzte sich aus klassischem Frontalunterricht, CBT Tagen in der Flugschule (Computer based Training anhand eines elektronischen Fragenkatalogs) sowie einer Selbststudienzeit von zwei Monaten unmittelbar vor der Prüfung zusammen. Dabei behandelten wir die Themenkomplexe beginnend bei Luftrecht und operativen Vorschriften, über das technische Verständnis des gesamten Flugzeugs sowie seiner Komponenten und Instrumente über Flugplanung/-leistung bis hin zur Aerodynamik, Meteorologie, menschlichem Leistungsvermögen und Navigation.

Nach einigen nur am Schreibtisch verbrachten Wochen konnten wir gut vorbereitet die Prüfung beim LBA angehen, die uns an 3 Tagen in 14 Fächern mit einer Auswahl aus über 10.000 möglichen Fragen testete.

Doppelt glücklich, zum einen weil wir alle bestanden hatten, zum anderen weil wir die Ausbildung nun wieder in einem Cockpit fortsetzen konnten, widmeten wir uns nun dem Instrumentenflug. Der erste Teil davon fand in einem Piper PA44 Simulator statt, in dem wir im 2 Mann Cockpit An- und Abflüge simuliert, Navigation per GPS sowie Funkstationen am Boden angewandt und zusätzlich das Verhalten bei Fehlfunktionen, Ausfall der Instrumente und weitere kritische Situationen wie Triebwerksausfälle, trainiert haben. Wenige Wochen später ging es dann wieder hinaus an den Flugplatz, um in die echte Maschine, zunächst eine Piper PA28 zu steigen. „Ab durch die Wolken“ war unser Motto, denn bei unserer vorherigen PPL Ausbildung mussten wir ausschließlich nach Sicht navigieren und die Wolken deshalb meiden, nun durften wir auch nach Instrumenten fliegen.


Im Mittelpunkt standen die Kommunikation mit den Lotsen (da wir nun fast dauerhaft im kontrollierten Luftraum flogen) und die verschiedenen Arten von Anflügen, wie zum Beispiel ILS, VOR oder NDB Approach. Auch wenn wir in unserer Umgebung mit Dortmund, Münster und Paderborn schon einige geeignete Plätze zum Üben hatten, ermöglichte es uns vor allem der Wechsel auf die zweimotorige und schnellere PA44 auch Ziele wie Hamburg, Sylt, Leipzig oder Friedrichshafen anzufliegen.

Als letzter Schritt an der Flugschule stand uns nur noch das MCC Training (Multi Crew Coordination) bevor, das in einem Boeing 737 Simulator stattfand und uns somit das erste Mal in ein Airliner Cockpit versetzte. Im Mittelpunkt standen hier das Erlernen koordinierter Zusammenarbeit im Cockpit zwischen beiden Piloten und der Umgang mit den Procedures der Condor, die bald unser ständiger Begleiter werden sollten.

Flugschule geschafft! – Type Rating auf der Boeing 757

Und dann war es so weit: Die Zeit in Essen an der Flugschule war vorbei und es hieß umziehen nach Frankfurt, wo das Type Rating, also die Ausbildung auf einem bestimmten Flugzeugmuster, auf der Boeing 757 schon auf uns wartete. In den ersten zwei Wochen wurden wir in umfangreichen Seminaren in der Theorie mit Themen wie Crew Ressource Management, Performance, Safety and Emergency Procedures, Dangerous Goods, Sea Survival, Firefighting und First Aid auf das zukünftige Umfeld vorbereitet. Danach ging es dann endlich wieder in den Simulator, wobei die Ausbildung in 2 Phasen aufgeteilt wurde.


Zunächst ging es darum, dass das in der Theorie erlernte Wissen über die Systeme unseres Flugzeugs und den Umgang mit den Procedures anzuwenden und zu verfestigen. Dazu stellten wir Flüge von A nach B ohne besondere Vorfälle nach. Als nächster Schritt kamen kleine Systemfehler hinzu, wobei es weniger um den Fehler an sich als mehr um das korrekte Abarbeiten der Checklisten ging. In der sich anschließenden Transition Phase wurde ein gezielter Fokus auf bestimmte Systeme gesetzt, ständig wurden neue und schwierigere Fehler eingebaut und dadurch die fliegerischen Ansprüche weiter angehoben. Alle möglichen Fehler wurden von den Ausbildern in teilweise kürzester Abfolge eingespielt und mussten von uns reaktionsschnell und laut Vorschrift abgearbeitet werden.

Nachdem wir mit dem Bestehen des Checks das Simulator Training beendet hatten, stand uns mit dem Landetraining das nächste Highlight eines jeden Flugschülers bevor! Wir durften erstmalig eine echte, gut 120 Tonnen schwere und etwa 54 Meter lange Boeing 757 selber fliegen! Im belgischen Ostende flogen wir dafür, wie damals mit unserer Aquila, Platzrunden mit Touch & Gos, um den stabilisierten Anflug und das Landen zu trainieren.

Im Cockpit eines Airliners angekommen

Reif für den letzten Ausbildungsabschnitt konnten wir nun mit dem Linetraining im Condor Streckennetz beginnen, das etwa 50 Legs, also einzelne Flugabschnitte, umfasste. Dazu flogen wir mit erfahrenen Ausbildern der Condor und zunächst noch einem zusätzlichen Copiloten. Die Zeit verging sprichwörtlich wie im Flug und neben zunehmender Erfahrung und Routine kamen immer neue Flughäfen dazu, die im Vorfeld gut vorbereitet werden wollten, da sie häufig spezifische Besonderheiten hinsichtlich des umgebenden Terrains, An-/Abflugprozeduren, Rollwegen oder Funkverfahren aufweisen. Abgeschlossen haben wir die Ausbildung mit dem Final Check auf der Linie. Wir haben es geschafft – ausgecheckt und linientauglich, echte Copiloten einer Boeing 757! Ziemlich genau zwei Jahre nach unserem ersten Tag an der Flugschule in Essen sind wir im Cockpit der Condor angekommen.


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1 Kommentar

on 27. September 2017

Vor knapp 32 Jahren war Pilot auch mal mein Traumberuf. Ich bewarb mich damals bei der Konkurenz mit dem Kranich udn schaffte es sogar angenommen zu werden. Vertrag unterschrieben und im Himmer bis ich 2 Tage vor Antritt einen bösen Motorradunfall hatte und über 1,5 Jahren mit Wirbelsäulen Problemen im Krankenhaus lag.

Ich freue mich solche berichte zu lesen da sie meinen Traum leben.

Viel Glück und finger weg von Motorrädern

Christus



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