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Martinique ist anders

Karibik // Kultur

Gastautor / Reiseziele / 6. Januar 2017

Diese kleine Insel liegt zwar mitten in der Karibik, gehört aber trotzdem zu Europa. Umgeben vom blauen Meer schwimmt hier ein Stück Frankreich unter Sonne und dem (fast) wolkenlosen Himmel.

Trotz Kokospalmen und Sandstrand spürt man hier den Einfluss Europas. Und damit meine ich nicht nur, dass man mit Euros zahlt, dieselben Stecker benutzt wie zu Hause oder die hohen europäischen Sicherheitsstandards, die hier genauso gelten und eingehalten werden, wie auf dem französischen Festland.

Am meisten erstaunt hat mich, dass es auf Martinique keine Trennung in Gegenden für Einheimische und Touristen gibt. Martinique ist zwar nicht unbedingt eine reiche Insel, aber es gibt auch kein Elend, wie man es manchmal auf anderen „Trauminseln“ entdeckt, wenn man die von den Hotels gesäumten Strandpromenaden verlässt.

Nach wie vor ist nämlich nicht der Tourismus, sondern die Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle Martiniques. Darum sammeln sich die Touristen hier auch nicht in einer Parallelwelt der Hotelburgen, sondern ganz im Gegenteil, meist werden sie einfach vom Alltag der Insel verschluckt. Nur eine Handvoll kleine Hotels verteilen sich auf die Strände im Süden der Insel, an denen die Martinikaner genauso baden gehen wie die wenigen Europäer, die hier Urlaub machen.

Mangroven Naturpark

Mangrovenwälder im Osten

Die Strände auf der Atlantikseite Martiniques sind das reinste Surferparadies. Fröhliche Wellenreiter begrüßen die mächtigen Wogen die hier an die Küste gebraust kommen und werfen sich mit ihren Brettern in die Fluten.

Etwas ruhiger geht es in dem Naturpark Presqu‘île de la Caravelle zu. Zwei kleine Wanderwege führen durch dichte Mangrovenwälder zur Baie du Trésor und einem abgelegenen Strand oder zu einem alten Leuchtturm, von dem aus man die Halbinsel und die kleine Piratenbucht überblicken kann.


Sandstrände im Süden

Vor der südlichen Küste Martiniques liegt der Diamantfelsen, einer der schönsten Tauchspots überhaupt. Schildkröten, bunte Fische und jede Menge Korallen leben rund um den riesigen Steinbrocken, der da nur wenige Hundert Meter vor der Küste aus dem Meer ragt. Angeblich sollen die Engländer hier sogar mal ein Fort gebaut haben, als sie die Insel einst erobern wollten. Davon ist aber heute nichts mehr zu sehen.

Statt Ruinen findet man dafür die schönsten Strände Martiniques in diesem Teil der Insel. Egal welches kleine Dörfchen man ansteuert, überall steht man vor typischen Postkartenmotiven der von Palmen umsäumten Sandstrände und einem türkisfarben leuchtenden Meer.

beach-plage-strand-Martinique


Fort-de-France im Westen

Die Westseite Martiniques ist der Karibik zugewandt. Entsprechend ruhiger sind die Wellen hier im Vergleich zur aufgewühlten Atlantikküste.

Im Nordwesten, wo die Strände schwarz vom Vulkangestein sind, liegt auch die ehemalige Hauptstadt Saint Pierre, die vor über hundert Jahren von einem Vulkanausbruch komplett zerstört wurde. Die steinernen Ruinen der alten Stadt leuchten dort noch aus dem üppigen Grün der wuchernden Wälder oder hinter den neu errichteten Häusern des kleinen Fischerdorfs hervor.

Bibliothek Fort de France

Spiegel Kathedrale


Weiter südlich in einer geschützten Bucht, liegt Fort-de-France, die neue Hauptstadt Martiniques. Hierhin zogen die Bewohner damals nach dem Vulkanausbruch im Norden. Außer der wunderschönen Bibliothek und der Kathedrale hat die kleine Altstadt allerdings nicht viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Fort-de-France scheint – noch – in einer Art Dornröschenschlaf zu schlummern. Lediglich im Hafen trifft man auf ein paar Touristen, die dort mit den großen Kreuzfahrtschiffen eintreffen. Maximal ein Schiff pro Tag geht dort vor Anker, sodass sich auch dieser kleine Ansturm auf die kleine Bucht sehr in Grenzen hält. Die meisten Besucher verteilen sich schnell auf die Busse, die schon bereitstehen, um ihnen auch die anderen Gegenden der Insel zu zeigen. Reger Betrieb herrscht im Hafen nur bei den kleinen Fähren, die zwischen der Hauptstadt und den Stränden der Trois-Îlets auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht hin und her pendeln.

Flüge nach Martinique!

Mont Pélé

Eine direkte Verbindung von Ost nach West gibt es an der Nordküste Martiniques nicht. Man muss einmal um das grüne Gebirge herumfahren, um von einer Seite der Insel auf die andere zu kommen.

Der Norden Martiniques wird vom Mont Pélé dominiert, dem schlafenden Vulkan, der inmitten der grünen Wälder ruht.

Das frische Wasser aus den Bergen nutzt eine der elf Rumdestillerien zur Produktion eines hochwertigen Rums, ganz ohne Melasse, nur aus Zuckerrohrsaft. Der Rhum agricole aus Martinique hat sogar das Schutzsiegel AOC, für eine kontrollierte Herkunftsbezeichnung erhalten.

In der Distillerie J.M. in der Nähe von Macouba kann man die Anlage besichtigen und natürlich auch den Rum probieren.

Feldarbeit

Trommel Tambour Bele


Lasotè

Wer an der Geschichte der Insel interessiert ist, sollte sich die Moulin de Val d’Or ansehen, in der früher Zuckerrohr verarbeitet wurde. Heute ist die alte Mühle ein Museum, das an die Zeit der Sklavenarbeit auf den Plantagen erinnert.  Am meisten hat mich jedoch eine Veranstaltung beeindruckt, die regelmäßig und gar nicht unbedingt für Touristen gedacht ist. An den steilen Hängen der Berge im Zentrum der Insel liegen die Felder der kleinen Bauern. Die Neigung der Äcker ist so stark, dass sie unmöglich mit Maschinen bewirtschaftet werden können. Aus Solidarität  treffen sich daher die Arbeiter und Bauern sowie Freiwillige aus der Umgebung um gemeinsam die Felder zu bestellen. Zu den Klängen der Trommeln hacken und roden sie gemeinsam, Schulter an Schulter, bis das ganze Feld abgearbeitet ist.

Kleiner Tipp:

Um sich auf Martinique fortbewegen zu können, mietet man sich am besten ein Auto. Das öffentliche Transportsystem besteht aus wenigen Minibussen, die sternförmig von Fort-de-France aus die verschiedenen Orte der Insel anfahren. In allen anderen Dörfern ist es schwierig bis gar nicht möglich, sich mit Bussen fortzubewegen, da es so gut wie keine Querverbindungen zwischen den Orten gibt.

 


 

Nicole

Ein Gastbeitrag von Nicole Biarnes

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1 Kommentar

on 18. November 2017

Liebe CondorBlog-Crew, liebe Nicole,

toller Beitrag über Martinique. Ich befinde mich seit zwei Monaten selbst hier und genieße Land und Leute. Vielleicht seid ihr daran interessiert, euren Lesern noch einen audiovisuellen Eindruck von der Kulinarik der Insel zu präsentieren. Haute Cuisine Fisch Colombo: https://youtu.be/5TCVGN0ZnnA und eine Tour durch die bekanntesten Rhum Agricole Distillerien: https://youtu.be/hglkhWyr9VM. Gerne dürft ihr Videos von meinem Kanal mit in die Beiträge einpflegen, damit der Inhalt noch interessanter wird und die Leser länger auf eurer Seite verweilen. Das ein oder andere Ziel wird sicherlich interessant sein, da ich in den nächsten 5 Jahren die komplette Welt bereise und kulinarisch auf meinem Kanal erkunde.

Viele Grüße aus Martinique! Eileen :-)



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