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Faszination Flugzeugfotografie

Flugzeug // Planespotter

Claire Krüger / Hinter den Kulissen / 22. April 2016

Interview mit einem Planespotter

Fernsehen, im Garten arbeiten, shoppen, Rätsel lösen, Essen gehen und Computer spielen. Das sind die beliebtesten Hobbies der Deutschen. Wir haben jemanden getroffen, dessen Leidenschaft nicht in Rankings auftaucht: Wir sprechen über „Planespotting“.

Auf der Suche nach dem perfekten Augenblick

Flugzeugspotter sind Personen, die Maschinen bei Start und Landung beobachten und fotografieren. Alexander Karmazin ist so einer. Er bezeichnet sich selbst aber nicht als Spotter, sondern als Flugzeugfotograf, denn er interessiert sich für einzigartige Augenblicke, die er auf seinen Bildern festhalten kann und weniger für Lackierungen oder spezielle Registrierungen von Fliegern.

Flugzeug wird von Regenbogen getroffen

Effektvolle Wetterphänomene

„Ich möchte die Flugzeuge in besonderen Momenten oder bei besonderen Lichtverhältnissen erfassen. Bei Sonnenaufgang, mit Bergen oder mit dem Mond im Hintergrund. Dabei entstehen viele Aufnahmen ganz spontan. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann man zum Beispiel Nebelverwirbelungen hinter der fliegenden Maschine erkennen. Wenn dann noch Sonnenlicht dazukommt, werden regenbogenartige Farbeffekte hinter den Flügeln sichtbar. Solche Naturschauspiele treten natürlich nicht jeden Tag auf. Um sie zu erleben, braucht man sehr viel Geduld.  Spannend finde ich auch Bilder bei Sonnenauf- und -untergang und auch bei effektvollen Wetterphänomenen wie starkem Regen oder bei Schnee. Meiner Meinung nach sind die Bilder interessant, die die Dynamik der fliegenden Maschine widerspiegeln, und den Betrachter direkt in den Moment hineinversetzen, als das Foto entstand. Für ein dynamisches Foto müssen aber viele Faktoren zusammenspielen, und das, meiner Meinung nach, ist das Allerspannendste an der Flugzeugfotografie.“

Ich möchte die Flugzeuge in besonderen Momenten oder bei besonderen Lichtverhältnissen erfassen.

Schon als Teenager nur Augen für große Maschinen

Immer wieder faszinierend

Tonnenschwer und trotzdem fliegen sie: eiserne Vögel

Karmazin ist seit zehn Jahren als Planespotter unterwegs. Die Begeisterung für Flugzeuge habe er schon seit der Kindheit. Mit 13 hat er angefangen regelmäßig zum Airport zu fahren, um sich die Maschinen anzuschauen. Irgendwann kam ihm die Idee, das Gesehene festzuhalten und seine Faszination für das Fliegen auch anderen zugänglich zu machen. „Ich persönlich war schon immer davon beeindruckt, wie sich diese tonnenschweren eisernen Vögel in die Luft erheben und andere Kontinente, die tausende Kilometer entfernt sind, erreichen. Ich muss zugeben, diese Fragen beschäftigen mich bis heute. Ich hoffe durch meine Aufnahmen diese Begeisterung auch mit anderen teilen zu können.“ Deswegen veröffentlicht er seine Bilder zunächst auf Plattformen wie airliners.net , jetphotos .net oder flugzeugbilder.de. Nachdem er genau 400 Bilder hochgeladen hat, beschließt er seine eigene Website  zu starten. „Nach einer Prüfung des Screeners können manche Bilder auf den Plattformen aufgrund der individuellen Bewertung abgelehnt werden. Im Gegensatz dazu hat man auf einer eigenen Webseite die Möglichkeit, allen Interessierten das komplette Portfolio zu zeigen.“

Ich persönlich war schon immer davon beeindruckt, wie sich diese tonnenschweren eisernen Vögel in die Luft erheben und andere Kontinente, die tausende Kilometer entfernt sind, erreichen.

Die Kamera ist immer dabei

Bilder, die auf Reisen entstehen

Auch auf Reisen nimmt sich Alexander Karmazin Zeit für sein Hobby

Und das lohnt sich auch, denn Karmazin fotografiert nicht nur am Frankfurter Flughafen, der für ihn relativ gut zu erreichen ist, sondern auch auf Reisen. Dann nimmt er sich extra zwei Stunden vor Abflug Zeit, um Fotos zu machen. In den letzten zwei Jahren war er in Innsbruck, Oslo und Almaty (Kasachstan) mit seiner Kamera unterwegs. Was ihm dabei vor die Linse kommt, ist nicht so wichtig, denn Karmazin hat keinen Lieblingsflugzeugtyp. Er liebt alle Maschinen mit ihren besonderen Eigenschaften. Am allerliebsten nimmt er allerdings die Großmaschinen Boeing 747, 777, A340, A380 sowie die neue Boeing 787 und den neuen Airbus A350 auf, gibt er dann doch mit einem Zwinkern zu.

 

 

 

 

Warum er den Frankfurter Flughafen am liebsten mag? „Hier habe ich schon einige interessante Fotopositionen entdeckt und über die Zeit auch viele Leute kennengelernt, die meine Begeisterung für Flugzeuge teilen und die ich dort ab und zu wiedersehe.“ Gesellschaft ist also doch auch schön bei so einem Hobby. Vielleicht gerade auch deswegen, weil man oft lange an seinen Positionen ausharrt. Da ist ein Gespräch unter Kennern doch willkommene Ablenkung. Gerade wenn der andere Spotter von weither angereist ist. Karmazin kommt dabei sogar ins

Schwärmen: „Es ist erstaunlich wie dieses Hobby Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringt.“ Trotz seines favorisierten Stammflughafens hat er natürlich auch noch einige Spots auf der Liste, die er gerne mal sehen würde. „Im Netz habe ich schon ganz viele spannende Bilder von St. Maarten, Skiathos (Griechenland), Madeira oder Anchorage (Alaska) gesehen. Bisher hatte ich noch nicht die Gelegenheit an einen der genannten Orte zu reisen. Wenn sich eine Gelegenheit findet – werde ich mich natürlich darüber sehr freuen.“


Es ist erstaunlich wie dieses Hobby Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringt.

Auf der Karibikinsel St. Maarten liegt die Landebahn des Flughafens direkt hinter dem öffentlichen Badestrand Maho Beach. Die Flugzeuge zu beobachten ist hier eine Touristenattraktion. Sie starten und landen in nur etwa 10 Metern Höhe  über den Köpfen der Menschen. Deswegen muss man als Zuschauer auch aufpassen, dass man nicht vom Turbinenstrahl der schweren Maschinen umgerissen wird. Viele Spotter haben sich dort schon in Gefahr begeben, denn für die Bilder aus nächster Nähe ist der Juliana International Airport besonders beliebt. Mit den schönsten Fotos im Gepäck, geht es dann wieder nach Hause.

Und das Gepäck  ist schwer, denn die beste Kamera und der Laptop sind immer mit dabei. Das kann Karmazin nur bestätigen: „Nach 10 Jahren habe ich ca. 60.000 Bilder auf der Festplatte gesammelt, was auch die Arbeit meines PCs sicherlich nicht schneller macht (lacht). Das Fotografieren am Flughafen nimmt im Schnitt ca.1-2 Tage im Monat in Anspruch. Die Auswahl und Bearbeitung der Fotos dauert wesentlich länger. Das heißt, zusammengerechnet kann dieses Hobby schon einige Tage im Monat füllen.“


Bedingungen wie beim Glücksspiel

Als Spotter investiert man nicht nur viel Zeit, um seine Bilder zu pflegen, man braucht auch ausreichend Vorbereitung, um einen Ausflug zum Flughafen zu planen. Für den Laien ist dabei völlig unklar, woher die Spotter ihre Informationen beziehen. Karmazin klärt auf:

Wind- und Wetterkonditionen

Windrichtung und Windstärke spielen eine wichtige Rolle

„Bevor ich zum Flughafen fahre, informiere ich mich zuallererst über voraussichtliche Wetterkonditionen. Sprich, wie bewölkt es sein wird und wie viele Stunden Sonnenschein der Tag bringt. Windrichtung und Windstärke spielen auch eine wichtige Rolle, da die Start- und Landerichtung der Flugzeuge stark davon abhängt. Ab und zu prüfe ich Webseiten wie sonnenverlauf.de, wo man Position und Gradwinkel der Sonne für eine gewisse Zeit kalkulieren kann. Je nach gegebenen Bedingungen wird dann die Entscheidung getroffen, ob es sich lohnt zum Flughafen zu fahren und wenn ja, dann zu welcher Position. Diese Entscheidung ist vergleichbar mit Glückspiel, da es keine Garantie gibt, dass alles so läuft wie geplant.
Es kam schon sehr oft vor, dass ich bei besten Wetterbedingungen auf meiner Fotoposition stand und da kamen einfach keine Maschinen. Sollte die Sonne hinter den Wolken verschwinden, kann plötzlich eine halbe Flotte an Fliegern starten. In solchen Situationen werden Geduld und Ausdauer wie nichts anderes trainiert.“

 

Überraschungen sind am Schönsten

Trotz mancher frustrierender Momente als Flugzeugfotograf, liebt Karmazin sein Hobby sehr und verbindet damit viele tolle Erfahrungen:
„Meine schönsten Erlebnisse hatte ich immer dann, wenn etwas völlig Unerwartetes passiert ist. Wenn ich erstaunliche Wetterphänomene oder interessante Flugmanöver beobachten konnte. Solche Momente bleiben in Erinnerung und beweisen, dass 100% geplante Maßnahmen nicht unbedingt spannend sind und auch nicht zwangsläufig zu tollen Aufnahmen führen.“ Wenn man in seiner Freizeit einer aufwendigen Leidenschaft nachgeht, braucht man ein Umfeld, das dafür Verständnis

 

hat. Für Karmazin ist es schwierig mit Menschen über sein Hobby zu reden, die nicht genauso begeistert vom Fliegen sind wie er, da sie keine Ahnung davon haben, womit er sich beschäftigt. „Wenn jemand von meinem Hobby erfährt, dann gibt es keine eindeutige Meinung dazu, da das Spotten für viele etwas völlig Unbekanntes ist. Man kann sich darunter nicht viel vorstellen, bevor man sich nicht ein paar Bilder angeschaut hat. Eins wird allen aber sofort klar, dass sie es mit einem Fanaten zu tun haben (lacht).“


Meine schönsten Erlebnisse hatte ich immer dann, wenn etwas völlig Unerwartetes passiert ist. Wenn ich erstaunliche Wetterphänomene oder interessante Flugmanöver beobachten konnte.

 

Alexander mit seiner Kamera

Planespotter Alexander Karmazin

Während andere am Wochenende vielleicht den Tatort schauen, ein Blumenbeet bepflanzen oder World of Warcraft zocken, liebt Karmazin  seine Fahrten zum Airport und möchte sie nicht mehr missen. Er kann sich nicht vorstellen, dass es ihm einmal zu langweilig wird, auf seinen Spots mit dem Finger am Auslöser auf Maschinen zu warten. Immer auf der Lauer für den perfekten Moment und die perfekte Aufnahme. Und so verabschiedet er sich mit dem Motto, das er den Besuchern auf seiner Website mitgibt: “Seeing is believing – so I hope to give you а more detailed and a more passionate view on the idea of flying.”

Alexander Karmazins Website: www.karmazin-photography.com

 

 

 

 

 

 



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3 Kommentare

on 19. August 2018

Fantastische Bilder! Ich beobachte selbst gern Flugzeuge und fotografiere gern mit der DSLR durch ein Super-Tele (Brennweite bis 600) leider schaffe ich es nur selten zum Flughafen. Ich muss auch neidlos anerkennen, dass mir solche Bilder, wie in diesem Beitrag noch nie gelungen sind. Wirklich klasse! Weiter so!

on 5. June 2017

Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie einen Stammleser gewonnen. Vielen dank für die Informationen.

    Condor
    on 6. June 2017

    Hallo Peter,

    danke für dein positives Feedback! Wir bemühen uns natürlich regelmäßig spannende Artikel zu liefern und Flugzeuge spielen bei uns ja immer eine wichtige Rolle ;)

    Wir würden uns deshalb sehr freuen, wenn wir dich als Stammleser gewinnen können und weiter wertvolles Feedback von dir erhalten!

    Viele Grüße,
    Dein Condor Team



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